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Effektive Kommunikation in der Beziehung: Wie Missverständnisse vermieden und Probleme gelöst werden

Kommunikation ist ein wichtiges Fundament jeder Beziehung. Oft können unklare oder verletzende Kommunikationsmuster zu Missverständnissen, Konflikten und sogar Trennungen führen. Viele Paare in meiner Praxis nennen ihre Kommunikation als eine der größten Herausforderungen in ihrer Beziehung.


„Sie wird immer emotional, wir können gar nicht sachlich miteinander reden.“

„Er hört mir gar nicht richtig zu, sondern bietet mir direkt Lösungsvorschläge an.“

„Egal was ich sage, es ist falsch. Also sag ich einfach gar nichts mehr.“

„Ich fühle mich überhaupt nicht verstanden.“


Eine emphatische, verständnisvolle und liebevolle Kommunikation kann Paare dabei unterstützen, ihre Beziehung zu verbessern und sich mehr verbunden zu fühlen. Dazu ist es wichtig zunächst destruktive Kommunikationsmuster zu erkennen und diese dann zu verändern.


Die Apokalyptischen Reiter in der Paarkommunikation: Kritik, Abwehr, Rückzug und Verachtung


Die vier apokalyptischen Reiter in der Paarkommunikation sind ein Konzept, das auf der Forschung des renommierten Paartherapeuten Dr. John Gottman basiert. Diese Reiter sind vier destruktive Kommunikationsmuster, die in Paarbeziehungen auftreten können und langfristig zu Beziehungskonflikten und sogar Trennungen führen können.


Die vier apokalyptischen Reiter sind:
  1. Kritik: Wenn ein Partner oder eine Partnerin den oder die andere:n kritisiert, geht es oft um die Persönlichkeit oder den Charakter, statt um ein spezifisches Verhalten. Kritik kann dazu führen, dass der oder die andere sich angegriffen und wertlos fühlt.

  2. Abwehr: Wenn ein Partner oder Partnerin sich verteidigt und rechtfertigt, anstatt auf die Bedürfnisse des oder der anderen einzugehen, kann dies dazu führen, dass der oder die andere sich nicht verstanden und zurückgewiesen fühlt.

  3. Verachtung: Wenn ein Partner oder eine Partnerin den oder die anderen gegenüber Verachtung ausdrückt, zum Beispiel durch Sarkasmus, Augenrollen oder Abwertung, kann es dazu kommen, dass der oder die andere sich gedemütigt und ungeliebt fühlt.

  4. Rückzug: Wenn ein Partner oder Partnerin sich zurückzieht, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass der oder die andere sich allein und unverbunden fühlt.

Diese vier apokalyptischen Reiter sind gefährlich, weil sie eine Abwärtsspirale der Negativität und des Konflikts in der Paarbeziehung auslösen können. Wenn ein Partner oder eine Partnerin einen der apokalyptischen Reiter einsetzt, neigt der oder die andere dazu, mit einem anderen apokalyptischen Reiter zu reagieren, und so entsteht ein Teufelskreis der destruktiven Kommunikation.


Es ist wichtig, dass Paare diese apokalyptischen Reiter erkennen und lernen, wie man sie vermeidet oder umkehrt. Dies kann durch die Anwendung positiver Kommunikationstechniken wie dem Ausdrücken von Bedürfnissen, Wünschen und Gefühlen, dem Vermeiden von Verallgemeinerungen und Schuldzuweisungen und dem Einfühlen in die Perspektive des Partners geschehen. Die Vermeidung der apokalyptischen Reiter und die Förderung einer positiven Kommunikation können dazu beitragen, eine liebevolle und erfüllte Partnerschaft aufzubauen.


Fallbeispiel

Stefan und Maria sind seit fünf Jahren verheiratet und haben immer wieder Streitigkeiten. Eines Abends kommt es erneut zu einem heftigen Streit, der sich um die Finanzen des Haushalts dreht. Stefan wirft Maria vor, zu viel Geld für unnötige Dinge auszugeben, während Maria sich von Stefan nicht verstanden fühlt und betont, dass sie hart arbeitet, um das Geld zu verdienen.

In diesem Moment setzen sie versehentlich die vier apokalyptischen Reiter ein, ohne es zu merken. Stefan greift Maria persönlich an, indem er ihre Einkaufsgewohnheiten kritisiert und sie als verschwenderisch bezeichnet. Maria fühlt sich angegriffen und wird defensiv, indem sie Stefan ebenfalls persönlich angreift und betont, dass er nicht in der Lage ist, ihre harte Arbeit zu würdigen und sie auch viel öfter für den gemeinsamen Haushalt einkauft, als er.

Um die negativen Auswirkungen der vier apokalyptischen Reiter zu vermeiden, sollten Stefan und Maria lernen, ihre Kommunikation zu verbessern und ihre Gefühle und Bedürfnisse auf eine nicht anklagende Art und Weise auszudrücken. Statt persönliche Angriffe zu starten, könnten sie versuchen, ihre Gedanken und Gefühle klar auszudrücken, indem sie ihre Sichtweise auf die Situation teilen. Auf diese Weise können sie die negativen Auswirkungen von Kritik, Abwehr und Verachtung vermeiden und auf eine konstruktive Art und Weise kommunizieren.


Wie die Gewaltfreie Kommunikation helfen kann


Gewaltfreie Kommunikation ist ein Konzept, das von Marshall Rosenberg entwickelt wurde und darauf abzielt, eine klare und respektvolle Kommunikation in zwischenmenschlichen Beziehungen zu fördern. Es geht darum, eine Sprache zu finden, die auf Verständnis, Empathie und gegenseitiger Wertschätzung basiert. In der Paarkommunikation kann dies dazu beitragen, Missverständnisse, Konflikte und Frustrationen zu minimieren und stattdessen eine liebevolle, harmonische und erfüllte Partnerschaft aufzubauen.


Die gewaltfreie Kommunikation basiert auf vier Schritten:
  1. Beobachtung: Der erste Schritt besteht darin, eine objektive Beobachtung des Verhaltens des Partners oder der Situation zu machen, ohne Urteile oder Interpretationen hinzuzufügen.

  2. Gefühl: Im zweiten Schritt geht es darum, das eigene Gefühl in Bezug auf die Beobachtung zu identifizieren und auszudrücken, ohne den Partner zu beschuldigen oder zu kritisieren.

  3. Bedürfnis: Im dritten Schritt geht es darum, das Bedürfnis zu identifizieren, das das eigene Gefühl ausgelöst hat, und dieses Bedürfnis klar und respektvoll auszudrücken.

  4. Bitte: Im vierten Schritt geht es darum, eine Bitte an den Partner zu richten, die auf einer klaren und respektvollen Art und Weise formuliert ist und sich auf das konkrete Bedürfnis bezieht.

Fallbeispiel

Stefan und Maria könnten die Schritte der Gewaltfreien Kommunikation anwenden, um ihren Konflikt zu lösen.

  1. Beobachtung: Zuerst sollten sie ihre Beobachtungen der Situation beschreiben, ohne Interpretationen oder Bewertungen hinzuzufügen. Stefan könnte zum Beispiel sagen: "Ich habe bemerkt, dass wir in den letzten Wochen mehr Geld ausgeben, als wir uns leisten können." Maria könnte antworten: "Ich habe bemerkt, dass ich in letzter Zeit öfter einkaufen gehe und viele Überstunden mache.“

  2. Gefühl: Dann sollten sie ihre eigenen Gefühle in Bezug auf die Situation ausdrücken, ohne die Schuld dem Partner zuzuweisen. Stefan könnte sagen: "Ich fühle mich besorgt, wenn wir mehr Geld ausgeben, als wir haben." Maria könnte sagen: "Ich fühle mich verletzt, wenn du mein Geldverdienen nicht würdigst und nicht wertschätzt, dass ich neben der Arbeit oft für uns beide und unseren gemeinsamen Haushalt einkaufen gehe.“

  3. Bedürfnis: Anschließend sollten sie ihre Bedürfnisse oder Wünsche ausdrücken, die hinter ihren Gefühlen stehen. Stefan könnte sagen: "Ich brauche finanzielle Stabilität und möchte sicherstellen, dass wir unsere Ausgaben im Griff haben." Maria könnte sagen: "Ich brauche Anerkennung für meine harte Arbeit und dass du mir vertraust, dass ich verantwortungsvoll mit unserem Geld umgehe."

  4. Bitte: Schließlich sollten sie eine Bitte formulieren, die auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist. Stefan könnte sagen: "Können wir gemeinsam einen Plan erstellen, wie wir unsere Finanzen besser kontrollieren können?" Maria könnte sagen: "Könntest du mir bitte zeigen, dass du meine Arbeit wertschätzt und mir vertraust, dass ich verantwortungsvoll mit unserem Geld umgehe?"


Durch diese Art der Kommunikation können Stefan und Maria ihre Bedürfnisse und Gefühle auf eine respektvolle und konstruktive Weise ausdrücken, anstatt sich gegenseitig anzugreifen. Dies wird ihnen helfen, ihren Konflikt zu lösen und eine positive Beziehung aufzubauen.


Es ist wichtig zu betonen, dass die gewaltfreie Kommunikation keine Garantie dafür ist, dass Konflikte vermieden werden können. Es ist jedoch ein Werkzeug, das dazu beitragen kann, Konflikte auf eine respektvolle und konstruktive Art und Weise zu lösen und eine liebevolle und erfüllte Partnerschaft aufzubauen.

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